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German 16

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By Gabriele Moser

Vor dem Hintergrund der Argumentation der parteipolitisch liberalen Politiker in den Bundestagsdebatten um die Umstrukturierungen des Gesundheitswesens und der Sozialversicherung muten die historischen Debattenbeiträge der Vertreter des Ärztestandes der 1920er Jahre seltsam aktuell an. Es sind zwei zentrale Punkte, die damals in den Reden auf den Ärztetagen stets angesprochen wurden: Der sinkende Verdienst der (Kassen-) Ärzte, der nur durch die Einnahmen aus der Privatpraxis kompensiert werden könne und das sinkende Ansehen des Arztberufes, das aus dem Verlust ärztlicher Handlungsfreiheit resultiere, indem Krankenkassen und Gesetzgeber den ‚freien’ Beruf mit Handlungsrichtlinien einschnürten.

Die vorliegende Arbeit, selbst bereits zwei Jahrzehnte alt, aber als sozialhistorische Untersuchung aufgrund der Quellennähe und –dichte immer noch lesenswert, versucht, dieses Phänomen der (scheinbaren?) Konstanz zu untersuchen. Beginnend mit der Professionalisierung des Arztberufes seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung wird die Veränderung nachgezeichnet, die der Arztberuf durch die Erschliessung dieses neuen, großen ‚Marktes’ an Kranken erfährt. Während die Berufsausübung und die Stellung des Arztes im process der Gesundheitsversorgung neue Formen annahmen, blieb die soziale Herkunft der Professionsangehörigen im untersuchten Zeitraum relativ stabil und sozial exklusiv. Medizinstudierende stammten zu einem höheren Prozentsatz aus höheren Einkommesschichten als die meisten anderen Studierenden – ein Befund, der für die ärztlichen Standespolitiker in noch höherem Maße zutrifft. Dass die soziale Herkunft die Sichtweise auf die Kassenkranken prägt, wird anhand des Verbandsorgans „Ärztliches Vereinsblatt/Deutsches Ärzteblatt“ herausgearbeitet.

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40, zit. n. Brand 1977, S. 101. Um die Wende zum 20. Jahrhundert war das Bild vom Arzt als barmherzigem Samariter von der Entwicklung der Krankenversicherung in der Realität längst überholt worden. Die Versicherung garantierte dem Kranken ein Recht auf ärztliche Behandlung, das an die Stelle „des gnädigen Gewährens auf der einen und der demütigen Hinnahme auf der anderen Seite“ getreten war (Alfred Grotjahn: Arzt und Socialpolitik. In: Medicinische Reform, Nr. 1902), zit. n. Thomann 1985, S. 74).

15. Begründungen der Notwendigkeit einer „reichsgesetzlichen Regelung“ sind ausführlich im Protokoll des 45. , Anm. 145). Die in den folgenden Jahren erarbeiteten Umrisse einer Reichsärzteordnung sind im Protokoll des 50. Ärztetages 1931 wiedergegeben (DÄBl. Nr. 1931; Referate von Stauder und Ebermayer, S 14-31). 51 vermeintlich „parteilose“, weil auf sachlicher Wissenschaft beruhende Berufstätigkeit: „Dieser programmatischen Festlegung der Vergesellschaftung des Heilberufes steht im Wege, daß ein auf wissenschaftlichen Forschungen beruhender praktischer Beruf niemals auf dem Wege der Politik, sei es einer Partei oder einer Regierungsmehrheit, neuorganisiert werden kann, ohne die Höhe zu verlieren, auf der er steht.

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